Freiwilligendienst im Ausland

21.06.2018 | Studie zum weltwärts-Programm bestärkt diözesanen Weltkirchlichen Friedensdienst

Im September 2018 feiert das weltwärts-Programm, mit dessen Unterstützung deutschlandweit bisher rund 35.000 junge Menschen einen Freiwilligendienst im Ausland geleistet haben, sein zehnjähriges Jubiläum. Anlass genug, um Bilanz zu ziehen: Welche Wirkung hat der Dienst auf die Freiwilligen, auf deren Umfeld und auf Deutschland? In einer im April veröffentlichten Studie ging das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) dieser Frage nach.

 

Jedes Jahr machen sich zwischen 3000 und 4000 junge Erwachsene auf, um über das von der Bundesregierung 2008 gegründete weltwärts-Programm einen Freiwilligendienst im Ausland zu leisten. Im Durchschnitt gehen jährlich etwa 40 Prozent der jungen Menschen nach Lateinamerika, 37 Prozent nach Afrika und 19 Prozent nach Asien. Die Evaluierung zeigt, dass dieser soziale Dienst für die Freiwilligen sehr prägend ist. Sie erwerben durch den Einsatz verschiedene Kompetenzen, entwickeln einen starken Bezug zu ihrem Gastland und die Fähigkeit, sich in die Perspektive der Menschen vor Ort hineinzuversetzen, so der Bericht. Ihr kulturell geprägter Blick motiviert die Freiwilligen, sich auch nach ihrer Rückkehr weiterhin mit entwicklungspolitischen Fragen zu beschäftigen. Ihr Engagement in diesem Bereich ist deutlich höher als das anderer Bevölkerungsschichten und sie bringen sich mit verschiedenen Ehrenämtern gezielt in der internationalen Zusammenarbeit ein. Darüber hinaus beeinflussen die Freiwilligen ihr persönliches Umfeld, da Familie und Freunde ein erhöhtes Interesse am Gastland entwickeln und bestehende Einstellungen dem Land gegenüber ändern. Diese Erkenntnis wird in dem Bericht als großes Potential und positive Wirkung des Dienstes gesehen.

Die Freiwilligen entscheiden sich zum Großteil direkt nach dem Abitur für den Dienst. Sie sind bereits vor ihrer Ausreise vielfältig engagiert, verorten sich politisch eher links und bringen eine große Offenheit und Risikobereitschaft mit. Gleichzeitig zeigt die Studie auch, dass sich vor allem junge Menschen für einen Auslandsfreiwilligendienst entscheiden, die sich der Oberschicht zuordnen. Darunter mehr Frauen als Männer und solche, die in Westdeutschland aufgewachsen sind. Eine der Handlungsempfehlungen des Berichtes ist deshalb, unterschiedlichere Zielgruppen für den Dienst zu gewinnen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), hat angekündigt, die Studienergebnisse zu nutzen, um bis 2019 das weltwärts-Programm durch einen Follow-Up-Prozess zu verbessern.

Auch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart entscheiden sich jedes Jahr rund 40 junge Menschen für einen Weltkirchlichen Friedensdienst, der vom weltwärts-Programm finanziell mitgetragen wird. Sie leben und arbeiten bei Partnergemeinden und -organisationen, erhalten Einblicke in andere Lebensweisen und erfahren interkulturellen Austausch.

Die Zahlen der diözesan entsendeten Freiwilligen bestätigen die von weltwärts herausgearbeitete Tendenz, dass ein Großteil der Freiwilligen nach Lateinamerika geht. In den letzten zehn Jahren wurden 270 Freiwillige auf diesen Kontinent entsendet, 107 nach Afrika und knapp halb so viele, nämlich 52, nach Asien. Um den Dienst nachhaltig zu gestalten, bietet der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Rottenburg-Stuttgart als Entsendeorganisation den Freiwilligen vielfältige Möglichkeiten, um sich nach ihrer Rückkehr weiter zu engagieren. Die Rückkehrenden vernetzen sich beispielsweise im „Arbeitskreis Eine Welt Politik“, gestalten jährlich themenbezogene Jugendaktionen oder wirken in der Vorbereitung der neuen Freiwilligen mit. „Sie können so ihre Erfahrungen weiter geben und sich hier für eine gerechtere Welt einsetzen“, meint Bildungsreferentin Franziska Weisshar, die die Freiwilligen auf ihren Einsatz vorbereitet. Die Freiwilligen bleiben dem BDKJ durchschnittlich fünf Jahre verbunden. Auch dies entspricht der vom BMZ in Auftrag gegebenen Studie, die darauf verweist, dass viele Freiwillige nach ihrer Rückkehr einen starken Bezug zu ihrer Entsendeorganisation behalten.

Bei einem Infotag am 6. Juli 2018 bietet der BDKJ die Möglichkeit, die Weltkirchlichen Friedensdienste genauer kennenzulernen oder sich allgemein über internationale Freiwilligendienste zu informieren. Das Angebot richtet sich an junge Erwachsene zwischen 18 und 27 Jahren.

Der Weltkirchliche Friedensdienst in der Diözese Rottenburg-Stuttgart entstand 1986 nach der damaligen Diözesansynode als bundesweit einzigartige Initiative dieser Art, damals noch unter dem Namen „Laien im Dienst der Evangelisierung und des Friedens“. Vor 16 Jahren erhielt der Dienst seinen heutigen Namen. Seit der Gründung leisteten weit über 400 junge Menschen den Weltkirchlichen Friedensdienst.

Weitere Infos unter: www.wfd.bdkj.info